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Auf jüdische Spuren
in Dülmener Haushalten

„Da sagte Jesus zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“ (vgl. Mt 13,52) Fast jeder Mensch sammelt irgendwas – mehr oder weniger bewusst. Zumindest haben wir alle schon einmal irgendein Andenken aufbewahrt und halten es in Ehren. Im Folgenden werden zehn Dülmener Personen vorgestellt, die uns einen kleinen „Schatz“ aus dem Heiligen Land bzw. aus dem Judentum vorstellen. 

Mesusa

Eine besondere Erinnerung an eine Israel-Reise befindet sich heute am Eingang des Haues Heidelohstraße Nr. 8: eine farbig bemalte „Mesusa“ aus Keramik. 

Da sich Michaele Grote schon seit ihrem Theologiestudium mit dem Judentum, aber auch mit dem Holocaust befasste, lag es nahe, dass sie sich schließlich im Jahr 1991 einer Reisegruppe anschloss und für rd. zehn Tage das Heilige Land erkundete. „Besondere Bedeutung hatte für mich stets die Familiengeschichte von Abraham, die auch die enge Beziehung zwischen  dem Judentum, dem Christentum und dem Islam im Sinne der abrahamitischen Ökumene verdeutlicht“, erinnert sie sich 30 Jahre später. „Daher habe ich im Religionsunterricht mit nahezu allen Schülerinnen und Schülern die Beziehung zwischen Sara und Hagar und deren Söhnen Ismael und Isaak thematisiert.“ Und sie ergänzt: „In den Lerngruppen gab es fast immer auch muslimische Schüler, die diese Zusammenhänge durch das Opferfest besonders gut kannten.“ – Michaele Grote schraubte die kleine Kapsel mit hebräischem Schriftzug seinerzeit an die Haustür ihrer Wohnung in Hausdülmen, wohin sie und ihr Mann 1991 zogen und einige Jahre lebten, bevor sie nach Dülmen zogen. Die Tradition der Mesusa an der Wohnungstür wie auch an den Räumen innerhalb einer Wohnung geht auf eine Weisung im Buch Deuteronomium (vgl. Dtn 6,9 bzw. 11,20) zurück, sich zwei Varianten des „Höre Israel“ in besonderer Weise zu Herzen zu nehmen: „Du sollst [diese Worte] auf die Türpfosten deines Hauses und deiner Stadttore schreiben.“ Michaele Grote hat die beiden vorgeschriebenen Verse seinerzeit selbst auf der Schreibmaschine getippt und die Röllchen dann in die Kapsel eingelassen. „Ich halte die alttestamentlichen Texte überhaupt für einen wertvollen Schatz“, verrät sie. Sie hat schon häufiger die Kar- und Ostertage in der Abtei Herstelle verbracht: „Dort gingen mir im Stundengebet und in der Liturgie der Schwestern  diese Texte besonders nahe.“ 

Synagoge3 Synagoge 2
Michaele Grote zeigt das Keramikschild neben ihrer Haustür.